Der Keller im Beguinenkloster

Der Club

Brigitte Dvorak

Einige Zeit wurde über einen Namen für den Club philosophiert, aber alle sagten „Wir gehen in den Keller“ und so war es -

DER KELLER blieb DER KELLER.

1995 fand die konstituierenden Generalversammlung - des Clubs für gepflegte Weinkultur - Der Keller statt.

Die Gründerin und Präsidentin des Clubs
Brigitte Dvorak mietete die Räumlichkeiten zu Clubzwecken an und erfüllte sich damit einen Kindheitstraum: Aufgewachsen mit den Sammlungsstücken ihres Großvaters Dkfm. Max Bischof, mit Schwertern, Rüstungen und Hellebarden, hatte sie ein Leben lang von einer eigenen Ritterburg geträumt, die hier als ihr Lebenswerk Gestalt annahm: Seit nunmehr 21 Jahren besteht nun in den alten Gewölben des Laurenzerklosters ein Rückzugsort aus der Hektik unseres Alltags und dient als Refugium für die Clubmitglieder.


Prominente Mitglieder im Club

Die Fremdenführerin und Sachbuchautorin Frau Mag. Gabriela Lukacs recherchierte für ihr Buch „Geheimnisvolle Unterwelt von Wien“ die Kellergeschichte. Ein großer Teil dieses Textes entspringt dem Buch.

Bouchal, Robert und Lukacs, Gabriele: Geheimnisvolle Unterwelt von Wien,
Wien 2011 Pichler Verlag.

Round Table 14 hat seine Clubmeetings bei uns.

Ein weiteres Mitglied ist der „Ordo Equestris Vini Europae“, die Europäische Bruderschaft Der Weinritter, die hier ihren Wiener Ordenssitz hat.

 

Rittersaal, Runder Tisch und Labyrinth



Zeichnung Arch. Dipl. Ing. Eriden Livic

Allein 350m2 des zweiten Untergeschoßes umfasst der Club-Keller. Dort können sich die Ritter, wie einst König Artus‘ Tafelrunde, im 15 Meter langen und zwölf Meter breiten Hauptkeller versammeln oder im „Labyrinth“, den Seitengängen des Kellers, ihre dort eingelagerten edlen Tropfen genießen. Vermutlich handelt es sich beim Hauptraum um die einstige Unterkirche, über der sich das
Hauptschiff der Klosterkirche befand.

Der Kellersaal verströmt eine äußerst wohltuende, friedliche Atmosphäre,
seine neutrale Schwingung wurde von Radiästheten festgestellt: Im einstigen Altarbereich fand man Kreuzungen von Wasseradern, die für anregende Energieströme sorgen.


Rittersaal

Der Rittersaal ist der größte Raum.

Die schweren Buchenmöbeln wurden größtenteils in der Slowakei von
Jan Babic nach alten Schnitten aus Reprint- Büchern aus der
http://www.verlag-th-schaefer.de angelehnt an
August Graef: Der Landtischler (1894) gefertigt.

Rittersaal

Die Möbel sind größtenteils gesteckt und nicht geleimt, damit das Holz bei Feuchtigkeit arbeiten kann. Bei großen Feuchtigkeitsschwankungen müssen die Keile regelmäßig nachgeschlagen werden aber das Holz reißt nicht.




Der Keller

Alle Gittertüren wurden nach eigenen Entwürfen gefertigt. Es wurde im gesamten Bereich Wert auf moderne Technik gut Versteckt hinter alten Mauern gelegt.






Der Keller

Der Raum mit dem Runden Tisch befindet sich unter der Straße Ecke Laurenzerberg/Fleischmarkt. Einer der alten Gänge führt unter dem Fleischmarkt in den Keller des Theaters in der Drachengasse, der andere unter dem Laurenzerberg in das Haus Ecke Fleischmarkt.


Die Gänge sind jedoch ab gemauert und teilweise nicht ausgegraben worden.

Durch die Verbindungsgänge zu den Nachbarhäusern war dieser Raum sicher ein vielbesuchter Luftschutzkeller, dort zitterten Viele um ihr Leben und den Verbleib ihrer Angehörigen.

Ob man daran glaubt oder nicht in diesem Raum war anfänglich eine bedrückende Stimmung zu spüren. Deshalb wurde dort bewusst so oft wie möglich das Buffet gemacht. Nach einigen Jahren des Plauderns, Essens und viel guter Laune ist die Stimmung nun neutral. Der Raum mit dem runden Tisch ist gemütlicher Treffpunkt für Gruppen die ungestört bleiben möchten.

Labyrinth

Labyrinth

Im Teil unter dem Laurenzerberg befindet sich das Labyrinth. Es ist ein langer schmaler Raum an der Außenseite der Gebäudemauer.Verschachtelt gemauerte Regale lassen Nischen entstehen in die man sich ungestört vom Nebenan zurückziehen kann.



Einführung


Das Gebäude 1., Fleischmarkt 19 des einstigen Laurenzerklosters wird von vier Straßenzügen umschlossen, dem Fleischmarkt, dem Laurenzerberg, dem Auwinkel und der Postgasse. Tief unter dem Laurenzerberg existiert noch heute einer der ältesten, mittelalterlichen Klosterkeller von Wien.

Viele Jahre lagen die während der Bombennächte als Luftschutzkeller dienenden Keller ungenutzt da.Im Zuge des Post-Passagenumbaues blieben 1994/95 Räumlichkeiten im Keller ohne Nutzung.

Der damalige Geschäftsführer der PSK- Liegenschaften beauftragte, ein Konzept für die Verwertung dieser Keller zu entwickeln.

Private Investoren übernahmen es die Bauarbeiten in den Kellerräumlichkeiten vor zu finanzieren.

In sechsmonatiger Bauzeit und unter Verwendungen von alten Materialien wurden die Räumlichkeiten in den derzeitigen Zustand versetzt.


Grundriss - Der Keller



Das Laurenzerkloster

Fromme Frauen, Beguinen genannt, gründeten 1293 ein Kloster am Laurenzerberg, einem Steilabfall zur Donau (heute Donaukanal). Vermutlich auf den Mauern einer älteren Stadtbefestigung, die Przemysl Ottokar II. im Jahr 1276 beim Bibertor errichten ließ. Die heutige Biberstraße erinnert noch an die urkundlich genannte „urbs apud portam Pybronis“. Die Umwandlung des Bollwerks in ein Kloster vollzog vermutlich der Habsburger Herzog Albrecht I. (1255-1308) bzw. seine Gattin Elisabeth. Daraus erklärt sich – wie die Autoren vermuten - die Existenz der für ein Beguinenkloster, also ein einfaches Frauenhaus im heutigen Sinn, enormen, vierstöckigen Gewölbekeller, die ursprünglich Teil der Stadtbefestigung waren. Im Jahr 1301 mussten sich die Beguinen einem kirchlichen Orden anschließen und wählten den Dominikanerorden. Dieser hatte 1226 im ehemaligen Templersitz „Maria Rotunda“, unweit des Laurenzerberges, seine erste Wiener Niederlassung gegründet. Um 1450 waren die Laurenzerinnen eines der reichsten Klöster Wiens. Sie eröffneten älteren Ehepaaren die Möglichkeit, sich im Kloster einzukaufen gegen Kost, Logis und Betreuung. Eine erste Seniorenresidenz also, die guten Gewinn abwarf. 1500 konnten sie einen nebenan gelegenen Meierhof erwerben, in dem Wohnungen errichtet wurden. 1586 stellte eine Visitation skandalöse Zustände fest. Nicht nur hatten die Nonnen Weinberge, Äcker und silberne Gefäße verscherbelt, sondern „sich mit ungewassertem Wein bezecht, lutherische Bücher gelesen und mit liederlichen Studenten gesungen, gezecht und gespielt “. 1643 war aus Gründen der Baufälligkeit ein Neubau notwendig geworden. Damals wurden Grundstücke und Häuser dazu gekauft und der Komplex auf die heutige Größe erweitert. Das Laurenzerkloster bestand bis 1775. Danach wurde in seinen Räumen eine öffentliche Schule für Mädchen eingerichtet. 1779 eröffnete eine Farbenfabrik ihre Niederlassung. 1783 hob Kaiser Joseph II. das Kloster auf. 1819 wurde die Kirche vollständig und das Kloster teilweise abgerissen und das Areal neu verbaut. Unter anderen Hofämtern errichtete man die Hofbuchhaltung hier. 1875 zog die k & k Postverwaltung ein und eröffnete das erste Rohrpostamt von Wien. Das Gebäude ist bis heute im Besitz der österreichischen Post.

Der Zweite Weltkrieg setzte dem Haus erheblich zu, zwei Bombentreffer beschädigten es schwer. 1991 wurde der Umbau für die Postsparkasse unter Einbeziehung der ältesten Bauteile begonnen. Die historische Bausubstanz umfasst den ehemaligen Kloster Kreuzgang, das heutige Postamt und den Kapitelsaal, heute Passage. Die Keller blieben ungenutzt und konnten von der Weinbruderschaft gemietet und adaptiert werden. Einer der Keller birgt eine Kostbarkeit, ein wertvolles Barockfresko, die Auferstehung der Toten darstellend. Die viergeschossige Kelleranlage hütet ein weiteres Geheimnis. Nämlich unterirdische Gänge bis zum Stephansdom und zum Dominikanerkloster, die angeblich von den Nonnen des ursprünglichen Beguinenklosters angelegt wurden. Im zweiten Weltkrieg waren die mittelalterlichen Gänge als Fluchtwege genutzt worden. Heute noch sind zwei davon erhalten. Einer führt in die Drachengasse, und zwar in das dritte Untergeschoß des dortigen Theaters, der andere bis unter die Häuser der Laurenzerberggasse. Bis zum Dom konnten wir nicht vordringen, die Verbindung dorthin ist heute unterbrochen. Bezeugen können wir aber jene unterirdischen Gänge, die durch die Keller der Postdirektion, unter der Barbarakirche durch bis zum Dominikanerkloster führen. Die Legende über die unterirdischen Verbindungen sämtlicher Wiener Klöster können wir zumindest im Fall des Laurenzer- und Dominikanerklosters bestätigen.